94 Milliarden Dollar Gewinne – und kein Ende der fossilen Abhängigkeit
- Jochen Siegle - Reporters For Future

- 27. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Ein Kommentar von Jochen Siegle für Reporters For Future
Während weltweit steigende Energiepreise Haushalte und Volkswirtschaften unter Druck setzen, erleben große Öl- und Gaskonzerne ein weiteres Jahr außergewöhnlicher Gewinne.
Neue Berechnungen von Oxfam zeigen, dass führende Unternehmen der Branche im Jahr 2026 zusammen rund 94 Milliarden US-Dollar an Reingewinnen erzielen könnten.
94 Milliarden Gewinn
Diese Entwicklung fällt in eine Phase zunehmender geopolitischer Spannungen und wachsender Energieunsicherheit – ein Widerspruch, der die strukturellen Probleme des globalen Energiesystems offenlegt.
Die Dimension der Gewinne ist bemerkenswert: Allein der zusätzliche Profitzuwachs gegenüber dem Vorjahr entspricht täglich mehreren Dutzend Millionen Dollar. Kapital, das – zumindest theoretisch – ausreichen würde, um Millionen von Menschen Zugang zu erneuerbarer Energie zu verschaffen. Stattdessen bleibt es weitgehend im fossilen System gebunden.
Parallel dazu verschärft sich die soziale Realität. Der aktuelle Ölpreisschock trifft vor allem einkommensschwache Haushalte. I
n vielen Ländern geraten ganze Volkswirtschaften ins Wanken, während steigende Energiekosten die Inflation antreiben und soziale Ungleichheiten vertiefen. Auch in Deutschland wird die Belastung für Verbraucherinnen und Verbraucher zunehmend spürbar.
Die Ursachen liegen nicht nur in kurzfristigen Krisen, sondern in einer strukturellen Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Geopolitische Konflikte wirken dabei wie ein Brandbeschleuniger: Sie destabilisieren Märkte, treiben Preise und verdeutlichen, wie verwundbar ein System ist, das auf importierte fossile Ressourcen angewiesen bleibt.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Debatte über politische Gegenmaßnahmen an Schärfe.
Eine klare Mehrheit der Bevölkerung spricht sich inzwischen für stärkere Investitionen in erneuerbare Energien aus. Ebenso wächst die Unterstützung für eine stärkere Besteuerung der Gewinne fossiler Konzerne, um die Transformation der Energiesysteme zu finanzieren.
Die Forderung ist eindeutig: Wer maßgeblich zur Klimakrise beiträgt und gleichzeitig von ihr profitiert, soll stärker in die Verantwortung genommen werden. Eine gezielte Besteuerung sogenannter Übergewinne könnte erhebliche Mittel freisetzen, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen und soziale Härten abzufedern.
Die internationale Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Energien markiert in diesem Kontext einen wichtigen politischen Moment. Vertreterinnen und Vertreter aus zahlreichen Ländern stehen vor der Aufgabe, konkrete Schritte für einen global koordinierten Ausstieg zu definieren.
Dabei geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um Gerechtigkeit
Ein gerechter Übergang muss diejenigen unterstützen, die besonders stark von den Folgen der Klimakrise betroffen sind – und zugleich verhindern, dass neue soziale Ungleichheiten entstehen.
Die aktuellen Zahlen machen deutlich, dass die finanziellen Ressourcen für eine Transformation vorhanden sind. Die entscheidende Frage ist, ob der politische Wille ausreicht, diese Mittel im Sinne einer nachhaltigen und gerechten Zukunft umzulenken.




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