Oxfam-Bericht: Die 100 umsatzstärksten europäischen Konzerne befeuern die Ungleichheitskrise
- Jochen Siegle - Reporters For Future

- 9. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Unternehmen schütten deutlich mehr Dividenden aus, als sie in den ökologischen Wandel investieren
Von Reporters For Future Redaktion | Foto bill wegener, Unsplash
Die 100 umsatzstärksten europäischen Unternehmen verschärfen die Ungleichheitskrise – sozial, politisch, wirtschaftlich und ökologisch. Das zeigt der neue Oxfam-Bericht „People, Power, Profits, Planet: How the biggest European companies fuel the global inequality crisis“.

Anhand verschiedener Indikatoren und mit Daten aus den Jahren 2022 bis 2024 untersucht der Bericht erstmals, wie Konzerne in Europa mit ihrer Geschäftspolitik verschiedene Aspekte von Ungleichheit verstärken. Auch 27 deutsche Unternehmen sind Teil der Auswertung. Oxfam fordert eine Begrenzung von Führungsgehältern und eine dauerhafte Übergewinnsteuer.
Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts:
Zwischen 2022 und 2024 erhielten Aktionär*innen der 100 untersuchten europäischen Konzerne im Schnitt mehr als zwei Drittel der Gewinne. Sechs Unternehmen, darunter der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer und der Schweizer Bergbau- und Rohstoffkonzern Glencore, schütteten 2024 sogar Dividenden aus, obwohl sie Verluste machten.
2024 schüttete knapp die Hälfte der Konzerne 32-mal mehr an Aktionär*innen aus, als sie in den ökologischen Wandel investierte, also zum Beispiel in die Umstellung auf CO2-arme Produktionsprozesse.
2024 verursachten die 100 untersuchten Konzerne zusammen rund 26 Prozent der weltweiten CO2-Emmissionen. Während die Unternehmen ihre direkten Emissionen zusammen zwischen 2022 und 2024 insgesamt senkten, erhöhten etwa Lufthansa und Thyssenkrupp ihre direkten Emissionen.
CEOs verdienten 2024 im Durchschnitt das 78-Fache des durchschnittlichen Einkommens in den 100 analysierten Unternehmen.
Der durchschnittliche Gender Pay Gap in den deutschen Unternehmen lag 2024 mit rund 16 Prozent über dem Gesamtdurchschnitt von 11 Prozent aller untersuchten europäischen Unternehmen. Die Deutsche Bank hatte mit rund 39 Prozent den größten Gender Pay Gap.
Nur 18 der 100 Konzerne veröffentlichten Informationen zu ihren Ausgaben für Lobbyarbeit oder Parteispenden, die im Durchschnitt 1,4 Millionen Euro betrugen. Von den Unternehmen, die dazu Angaben in ihren Geschäftsberichten machten, war der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer im Jahr 2024 mit 15,1 Millionen Euro das Unternehmen mit den höchsten Lobbyausgaben.
EU und Bundesregierung bauen soziale und ökologische Standards ab
Der neue Oxfam-Bericht erscheint zu einer Zeit, in der die EU und die Bundesregierung soziale und ökologische Standards abbauen.
Unter dem Vorwand der Wettbewerbsfähigkeit werden in Europa und Deutschland bereits erreichte Regelungen geschwächt, etwa bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung und der Lieferkettengesetzgebung.
Um konzerngetriebene Ungleichheit zu reduzieren, ist eine Vielzahl von Maßnahmen erforderlich.




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