Britische Zeitungen lehnen Klimaschutzmaßnahmen erstmals stärker ab als unterstützen
- Jochen Siegle - Reporters For Future

- vor 4 Tagen
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Im Jahr 2025 hat sich die Berichterstattung britischer Zeitungen zum Klimaschutz deutlich verschoben: Erstmals überwiegt die Ablehnung von Klimaschutzmaßnahmen die Unterstützung, wie eine Analyse von Carbon Brief zeigt.
Fast 100 Leitartikel sprachen sich gegen Klimaschutz aus – mehr als doppelt so viele wie die 46, die ihn befürworteten. Diese Ablehnung stammt ausschließlich aus rechtsgerichteten Zeitungen wie Sun, Daily Mail und Daily Telegraph, während die Unterstützung fast ausschließlich in linksgerichteten Medien wie Guardian und Financial Times erschien.
Die Kritik richtete sich vor allem gegen das Netto-Null-Ziel und die damit verbundenen Politiken. Leitartikel bezeichneten das Ziel als „kostspielig“ und „ruinös“ und stellten politische Akteure, insbesondere Ed Miliband, den Energiesekretär der Labour-Partei, persönlich an den Pranger.
Über 100 Artikel attackierten Miliband direkt und nannten ihn etwa einen „Fanatiker“ oder „hochgeistigen Priester der Netto-Null“. Dabei standen wirtschaftliche Argumente im Vordergrund: 87 % der kritischen Leitartikel nannten Kosten oder ökonomische Nachteile als Hauptgrund für die Ablehnung.
Die Analyse zeigt, dass die politische Rechte in Großbritannien den Klimaschutz zunehmend ablehnt, während die Unterstützung in der linken Mitte besteht. Diese Polarisierung spiegelt sich auch bei den Energietechnologien wider: Erstmals seit 2014 überstiegen Leitartikel, die erneuerbare Energien kritisieren, die unterstützenden Artikel. Atomkraft wird weiterhin von rechts unterstützt, während Fracking nur vereinzelt thematisiert wird.
Carbon Brief weist darauf hin, dass viele der kritischen Artikel Netto-Null vom Klimawandel entkoppeln – der Begriff wird häufig als Synonym für teure Politiken verwendet, ohne dass die Existenz oder wissenschaftliche Grundlage des Klimawandels infrage gestellt wird.
Trotz der ablehnenden Berichterstattung zeigt die Öffentlichkeit in Großbritannien weiterhin breite Unterstützung für viele Einzelmaßnahmen und das Netto-Null-Ziel selbst.
Diese Entwicklung markiert einen klaren Bruch mit der langjährigen politischen Übereinstimmung auf der britischen Rechten und unterstreicht die wachsende Rolle von rechtsgerichteten Medien bei der Formung der Klimadebatte.

Quellen:
Carbon Brief, Analyse britischer Zeitungsleitartikel 2011–2025
Zusammenarbeit mit Dr. Sylvia Hayes, University of Exeter



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