Privatjets und Milliardenvermögen: Wie Überreiche die Klimakrise verschärfen

Ein neuer Oxfam-Bericht zeigt, wie ungleich die Verantwortung für die Klimakrise verteilt ist. Im Mittelpunkt stehen Privatjet-Flüge und Investitionen von Milliardären. Auch die untersuchten deutschen Vermögenden fallen durch hohe Emissionen auf.
Von Jochen Siegle, Reporters For Future
Zwei Sekunden – in dieser kurzen Zeit verursachen Privatjets weltweit nach Berechnungen von Oxfam mehr CO₂ als ein Mensch aus der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung in einem ganzen Jahr. Der Vergleich macht deutlich, wie weit die Klimabilanzen verschiedener Bevölkerungsgruppen auseinanderliegen.
Für den Bericht „Disaster Divide“, den die Entwicklungsorganisation im Vorfeld der UN-Klimakonferenz COP31 vorlegt, hat Oxfam Privatjet-Flüge und Investitionen besonders vermögender Menschen untersucht. Die Ergebnisse rücken eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Wer trägt wie viel zur Klimakrise bei – und wer sollte für ihre Bewältigung zahlen?
Ein Privatjet-Flug entspricht fast einem Jahresausstoß
Laut Oxfam verursachten Privatjets im Jahr 2025 weltweit insgesamt 16 Millionen Tonnen CO₂. Auf einen einzelnen Flug entfielen durchschnittlich 3,7 Tonnen. Das entspricht nahezu dem CO₂-Ausstoß eines Menschen im weltweiten Jahresdurchschnitt.
Auch Deutschland spielt dabei eine Rolle. An deutschen Flughäfen starteten den Angaben zufolge 2025 mehr als 55.000 Privatjet-Flüge. Zusammen verursachten sie über 182.000 Tonnen CO₂. Rechnerisch entfielen damit auf diese Flüge in weniger als einer halben Stunde mehr Emissionen als auf einen Menschen in Deutschland im gesamten Jahr.
Dabei beziehen sich die Zeitvergleiche auf die zusammengefassten Emissionen aller erfassten Privatjet-Flüge – nicht auf ein einzelnes Flugzeug.
Investitionen mit großer Klimawirkung
Über den Luxuskonsum hinaus untersucht Oxfam die Emissionen, die mit den Investitionen von 1.000 Milliardärinnen und Milliardären verbunden sind. Nach Angaben der Organisation entfielen 2025 insgesamt 71 Prozent der untersuchten Investitionen auf besonders klimaschädliche Branchen, darunter Öl, Gas und Chemie.
Die diesen Investitionen zugerechneten Emissionen summierten sich auf 486 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Diese Maßeinheit erfasst neben CO₂ auch die Klimawirkung anderer Treibhausgase. Pro untersuchter Person ergibt sich daraus ein Durchschnitt von rund 486.000 Tonnen.
Besonders hoch liegt der Wert bei den 49 Deutschen in der Untersuchung: Ihnen rechnet Oxfam durchschnittlich jeweils 704.881 Tonnen CO₂-Äquivalente zu. Damit liegen sie deutlich über dem Durchschnitt der untersuchten Gruppe.
Die Zahlen beschreiben Emissionen, die Oxfam den Kapitalanlagen zurechnet. Sie kommen also zum persönlichen Konsum hinzu und verdeutlichen, dass sich die Klimaverantwortung großer Vermögen nicht allein an Flugreisen oder anderen privaten Ausgaben bemessen lässt.
Wer finanziert die Bewältigung der Klimakrise?
Aus den Ergebnissen leitet Oxfam die Forderung ab, besonders Vermögende stärker an den Kosten des Klimaschutzes zu beteiligen. Die Organisation plädiert für eine höhere Besteuerung großer Vermögen, von Privatjets und von Übergewinnen – insbesondere bei fossilen Konzernen.
Die Mittel sollen unter anderem wirtschaftlich benachteiligte Länder und ärmere Bevölkerungsgruppen bei der Bewältigung der Klimakrise unterstützen. Zugleich fordert Oxfam eine konsequente Abkehr von fossilen Energien und den Umbau besonders klima- und umweltschädlicher Wirtschaftszweige.
Der Bericht lenkt den Blick damit auf den Zusammenhang zwischen Vermögen, wirtschaftlichem Einfluss und Klimaverantwortung. Für eine gerechte Klimapolitik zählt nicht nur, wie stark Emissionen insgesamt sinken.
Entscheidend ist auch, welchen Beitrag diejenigen leisten, deren Lebensstil und Investitionen besonders hohe Emissionen verursachen.





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