Sonne statt fossiler Kosten: Solar-Strom entlastet Deutschland um Milliarden
Die Energiewende kostet? Ja. Aber die Debatte bleibt unvollständig, wenn sie ausblendet, was erneuerbare Energien einsparen. Eine Studie zeigt: Photovoltaik hat 2025 die Strombeschaffung in Deutschland deutlich günstiger gemacht. Jetzt braucht es Speicher, Netze und den politischen Willen, diesen Vorteil zu nutzen.**
Von Alex Reiger, Reporters For Future
Solarenergie schützt das Klima – und kann zugleich Stromkosten senken. Nach einer Berechnung des Energieberatungsunternehmens Enervis wären die durchschnittlichen Börsenstrompreise in Deutschland 2025 ohne Photovoltaik rund 20 Prozent höher ausgefallen.
Die Studie entstand im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar). Den wirtschaftlichen Effekt der Photovoltaik beziffert sie auf rund **15,7 Milliarden Euro**. Eine Zahl, die in der Debatte über die Kosten der Energiewende nicht fehlen darf.

Wenn die Sonne scheint, geraten teure Kraftwerke unter Druck
Der Zusammenhang ist einfach: Solaranlagen brauchen keinen Brennstoff. Ist eine Anlage erst einmal gebaut, verursacht jede zusätzliche Kilowattstunde nur geringe Kosten.
Kommt viel Solarstrom auf den Markt, müssen teurere Kraftwerke weniger Strom liefern. Das kann den Preis an der Strombörse drücken. Ohne Photovoltaik hätten andere Kraftwerke einen größeren Teil der Nachfrage decken müssen – nach dem Enervis-Modell zu deutlich höheren Preisen.
Günstiger Solarstrom ist damit auch eine Antwort auf die Kosten fossiler Stromerzeugung.
## Milliardenwirkung – aber kein Geld direkt aufs Konto
Rund 13 Milliarden Euro der errechneten Wirkung entfallen laut Studie auf vermiedene Strombeschaffungskosten. Hinzu kommen etwa 2,6 Milliarden Euro an Erlösen aus Solarstromexporten. Aufgrund von Rundungen ergibt sich der genannte Gesamtwert von rund 15,7 Milliarden Euro.
Dieser lag nach Angaben der Studie mehr als 40 Prozent über den EEG-Förderkosten für Photovoltaik.
Für einen typischen Privathaushalt errechnet Enervis eine Entlastung bei den Beschaffungskosten von knapp **100 Euro**. Bei einem Industriebetrieb mit zehn Gigawattstunden Jahresverbrauch sind es rund **235.000 Euro**.
Dabei gilt: Diese Beträge sind **Modellrechnungen, keine garantierten Einsparungen auf der Stromrechnung**. Die Untersuchung vergleicht den tatsächlichen Markt mit einem angenommenen Strommarkt ohne Photovoltaik. Wie viel günstigere Beschaffung bei einzelnen Haushalten ankommt, lässt sich daraus nicht unmittelbar ablesen.
## Der nächste Schritt: Solarstrom auch abends nutzen
Mehr Solaranlagen sind wichtig. Doch der Ausbau allein reicht nicht. Wenn mittags viel Strom entsteht, muss das Energiesystem ihn aufnehmen und sinnvoll nutzen können.
Dafür braucht es leistungsfähige Netze, einen flexibleren Stromverbrauch und mehr Speicher. Batterien können Solarstrom aufnehmen und später wieder abgeben – etwa dann, wenn die Sonne nicht mehr scheint.
Auch Unternehmen können davon profitieren: Speicher können helfen, Verbrauchsspitzen abzufangen und den eigenen Solarstrom besser zu nutzen.
Die Aufgabe ist deshalb klar: Erzeugung, Speicherung, Netze und Verbrauch müssen gemeinsam weiterentwickelt werden.
## Unsere Einordnung: Die Energiewende verdient eine ehrliche Kostenbilanz
Die Studie wurde von einem Branchenverband beauftragt. Ihre Ergebnisse sind als modellierte Effekte einzuordnen. Beides gehört zur journalistischen Transparenz.
Doch genauso gehört zur Transparenz, die wirtschaftlichen Vorteile erneuerbarer Energien sichtbar zu machen. Wer nur Förderkosten zählt und vermiedene Beschaffungskosten ausblendet, zeichnet ein unvollständiges Bild.
**Klimaschutz und bezahlbare Energie gehören zusammen.** Die Ergebnisse sprechen dafür, Solarenergie als Teil der Lösung für hohe Stromkosten ernst zu nehmen.
Daraus folgt ein klarer Auftrag an die Politik: den Ausbau erneuerbarer Energien voranbringen, Speicher und Netze mitdenken und dafür sorgen, dass günstigere Stromerzeugung auch bei den Menschen ankommt. Die Energiewende muss nicht nur auf Dächern sichtbar werden, sondern auch im Alltag.





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