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Welthunger sinkt – doch Klimakrise und Konflikte bedrohen den Fortschritt

Foto: Atlas Green, Unsplash
Foto: Atlas Green, Unsplash

Die Zahl der hungernden Menschen weltweit geht das dritte Jahr in Folge zurück. Doch Entwarnung wäre verfrüht: Noch immer leiden 645 Millionen Menschen Hunger. Besonders Konflikte, steigende Lebensmittelkosten und die Folgen der Klimakrise können die Fortschritte schnell wieder zunichtemachen.


Von Jochen Siegle, Reporters For Future | Foto: Atlas Green, Unsplash


Der Welthunger geht langsam zurück. Nach dem neuen UN-Welternährungsbericht „The State of Food Security and Nutrition in the World“ (SOFI 2026) litten 2025 weltweit rund 645 Millionen Menschen Hunger. Das waren 14 Millionen weniger als im Vorjahr.


Damit sank der Anteil der hungernden Weltbevölkerung auf 7,8 Prozent. 2024 waren es noch 8,1 Prozent, 2022 sogar 8,6 Prozent.


Der Bericht wird gemeinsam von fünf UN-Organisationen herausgegeben, darunter die Welternährungsorganisation FAO, UNICEF und das Welternährungsprogramm WFP.


Erstmals weniger Hunger in Afrika


Eine besonders wichtige Entwicklung zeigt sich in Afrika: Dort ist der Anteil hungernder Menschen erstmals seit 2015 wieder gesunken – von 20,3 auf 20 Prozent.


Die Dimension des Problems bleibt allerdings gewaltig. Rund 309 Millionen Menschen in Afrika leiden weiterhin Hunger. In Asien sind es etwa 292 Millionen.


Noch größer ist die Zahl der Menschen, deren Ernährung grundsätzlich nicht gesichert ist. Rund 2,1 Milliarden Menschen mussten 2025 zeitweise bei Menge oder Qualität ihrer Nahrung Abstriche machen. In Afrika betrifft das mehr als die Hälfte der Bevölkerung.


Gesunde Ernährung bleibt für Milliarden zu teuer


Gleichzeitig wird gesunde Ernährung immer teurer. Laut SOFI-Bericht stiegen die durchschnittlichen Kosten einer gesunden Ernährung 2025 auf 4,28 Kaufkraftparitäts-Dollar pro Person und Tag.


Immerhin sank die Zahl der Menschen, die sich eine gesunde Ernährung nicht leisten können, von 2,97 Milliarden auf 2,69 Milliarden.


Doch auch hier gibt es enorme regionale Unterschiede. In Afrika können sich laut Bericht 66,6 Prozent der Menschen keine gesunde Ernährung leisten.

FAO-Generaldirektor Qu Dongyu sieht in den sinkenden Hungerzahlen deshalb zwar ein Zeichen dafür, dass Fortschritte möglich sind. Gleichzeitig fordert er mehr politischen Willen, nachhaltige Investitionen und wirksame politische Maßnahmen.


Konflikte und Klimaschocks gefährden Fortschritte


Besonders beunruhigend ist der Blick nach vorne. Die UN-Organisationen rechnen damit, dass im Jahr 2030 noch immer rund 510 bis 520 Millionen Menschen von Hunger betroffen sein könnten.


Kriege und geopolitische Konflikte können Lebensmittel-, Energie- und Düngemittelpreise zusätzlich nach oben treiben. Hinzu kommen Wetterextreme und andere Folgen der Klimakrise, die Ernten und lokale Ernährungssysteme gefährden können.


Auch das Hilfswerk Misereor warnt davor, die leicht verbesserten Zahlen als großen Durchbruch zu verstehen. Handelskonflikte und Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit könnten die Fortschritte wieder ausbremsen.


Meine Einschätzung: Hunger ist auch eine Frage der Klimapolitik


Dass der Welthunger zum dritten Mal in Folge sinkt, ist eine gute Nachricht. Sie zeigt: Entwicklung ist möglich. Aber 645 Millionen hungernde Menschen können kein Grund zur Entwarnung sein.


Besonders problematisch ist, dass mehrere Krisen gleichzeitig wirken. Kriege zerstören Landwirtschaft und Lieferketten. Hohe Preise machen Lebensmittel für ärmere Familien unbezahlbar. Und die Klimakrise verschärft mit Dürren, Überschwemmungen und anderen Wetterextremen vielerorts die Unsicherheit.


Wetterextremen verschlimmern die Unsicherheiten


Für mich gehört deshalb der Kampf gegen Hunger unmittelbar zu einer glaubwürdigen Klima- und Nachhaltigkeitspolitik. Klimaschutz darf nicht nur über CO₂-Ziele, Elektroautos oder neue Technologien diskutiert werden. Es geht letztlich darum, Lebensgrundlagen zu sichern.


Dazu gehören widerstandsfähige Landwirtschaft, funktionierende lokale Ernährungssysteme und internationale Zusammenarbeit. Wenn wir gleichzeitig Entwicklungshilfe zurückfahren und bei der Bekämpfung der Klimakrise zu langsam handeln, riskieren wir, die mühsam erreichten Fortschritte wieder zu verlieren.


Der Rückgang des Welthungers macht Hoffnung. Entscheidend ist jetzt, daraus einen dauerhaften Trend zu machen.



 
 
 

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